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Infosystem

Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland

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Strukturen > Institutionen

Trägerstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe

Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe

Landesjugendamt
(überörtlicher Träger)

Verwaltung des Landesjugendamts und Landesjugendhilfeausschuss

  • Beratung der örtlichen Träger
  • Planung, Anregung und Förderung von Modellvorhaben
  • Fortbildung von Mitarbeiter*innen
  • Erteilung von Betriebserlaubnissen

u.a.m. (§ 85 Abs. 2 SGB VIII)

Jugendamt
(örtlicher Träger)

Verwaltung des Jugendamts und Jugendhilfeausschuss

  • Gewährleistungsverpflichtung
    ... für Schaffung einer Infrastruktur
    ... für Aufgabenerfüllung
  • in Einzelfällen Leistungserbringung
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Träger der freien Kinder- und Jugend-
hilfe

Freie gemeinnützige Träger

  • Wohlfahrtsverbände
  • Jugendverbände
  • Sonstige Träger (nicht in Verbänden organisiert)
  • Leistungserbringung
  • Gestaltung der Infrastruktur
  • Beteiligung bei politischen Entscheidungen

Privat-gewerbliche
(nicht gemeinnützige) Träger

  • Leistungserbringung

Erläuterung

Der Begriff 'Träger' ist ein Oberbegriff für Organisationen, die sich mit sozialer Arbeit ideell fördernd, konzeptionell-entwickelnd, planend und vor allem ausführend und finanzierend befassen. Die Kinder- und Jugendhilfe zeichnet sich durch eine Trägerpluralität aus. Im Hinblick auf das Begriffsverständnis können drei Typen von Trägern differenziert werden (zur quantitativen Verteilung vgl. Einrichtungen in freier und öffentlicher Trägerschaft):

Träger der öffentlichen Jugendhilfe ('öffentliche Träger')

§ 69 Abs. 1 SGB VIII legt fest, dass das jeweilige Landesrecht bestimmt, wer öffentlicher Träger der Jugendhilfe ist. Auf der örtlichen Ebene sind in der Regel die kreisfreien Städte und Landkreise öffentliche Träger. Zudem können kreisangehörige Städte ab einer definierten Größe in bestimmten Bundesländern (hier vor allem Nordrhein-Westfalen) zum öffentlichen Träger bestimmt werden. Der Kreis ist dann hier nicht mehr für die Kinder- und Jugendhilfe zuständig.

Die örtlichen Träger der Jugendhilfe richten gemäß § 69 Abs. 3 ein Jugendamt ein (vgl. Aufbau des Jugendamtes - Zweigliedrigkeit), um die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe zu übernehmen. Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind dazu verpflichtet, die im SGB VIII festgelegten Aufgaben für ihr Zuständigkeitsgebiet zu erfüllen. Dabei trägt das Jugendamt die Gesamt-, Planungs- und Steuerungsverantwortung. Somit hat das Jugendamt grundlegend drei Funktionen, denn:

  1. es sorgt im Rahmen seiner Gewährleistungsverpflichtung (§ 79 SGB VIII) dafür, dass alle im Gesetz vorgesehenen Leistungen und Aufgaben in seinem Zuständigkeitsbereich rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen (Jugendhilfeplanung);
  2. es erbringt selbst Leistungen, wo freie Träger nicht (ausreichend) zur Verfügung stehen;
  3. es erfüllt andere Aufgaben, die z.T. auch den Charakter hoheitlicher Aufgaben haben, wenn z.B. zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Elternrechte eingegriffen wird.

Das Landesrecht bestimmt zusätzlich, wer überörtlicher Träger der öffentlichen Jugendhilfe wird und gemäß § 69 Abs. 3 SGB VIII ein Landesjugendamt errichtet, um die in § 85 Abs. 2 SGB VIII gesetzlich zugewiesenen Aufgaben realisieren zu können. Landesjugendämter übernehmen z.B. die Beratung der örtlichen Träger, fachliche Innovationsförderung (z.B. Modellprojekte, Fortbildungen und Empfehlungen) sowie die Erteilung von Betriebserlaubnissen in Einrichtungen (bekannt als sogenannte „Heimaufsicht“).

Ein besonderes Strukturmerkmal der örtlichen Jugendämter und der Landesjugendämter ist die Zweigliedrigkeit, die Verbindung von Verwaltung und (Landes-)Jugendhilfeausschuss. (§ 70 Abs. 3 SGB VIII)

Träger der freien Jugendhilfe: Freie gemeinnützige Träger

Die freien gemeinnützigen Träger haben in der Regel die Rechtsform eines als gemeinnützig anerkannten eingetragenen Vereins (gem. e.V.) oder einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH). Auch die Kirchen zählen zu den gemeinnützigen freien Trägern.

Der Großteil freier Träger ist in einem der sechs Wohlfahrtsverbände (und den ihnen angeschlossenen Trägern) oder in Jugendverbänden organisiert. Die sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege sind:

  1. Caritasverband,
  2. Diakonisches Werk,
  3. Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (als konfessionell gebundene Träger) und
  4. Paritätischer Wohlfahrtsverband,
  5. Arbeiterwohlfahrt,
  6. Deutsches Rotes Kreuz (als nicht konfessionell gebundene Träger).

Daneben gibt es eine Vielzahl von kleineren freien Trägern, die nicht zu Wohlfahrtsverbänden gehören, und von Jugendverbänden, die ebenfalls als gemeinnützige Träger tätig sind. Die gemeinnützigen Träger haben eine besondere Position innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe, da sie mit Sitz und Stimme in den politischen Jugendhilfeausschüssen der Jugendämter vertreten sind.

Privat-gewerbliche Träger

Privat-gewerbliche Träger haben in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe (bislang) nur eine marginale Bedeutung. Im Wesentlichen handelt es sich hier um betriebliche Anbieter (z.B. Betriebskindergärten) oder um freie Anbieter von ambulanten und stationären Jugendhilfeleistungen.

Literatur
  • Bieker, Rudolf (2011): Trägerstrukturen in der Sozialen Arbeit – ein Überblick, in: Bieker, Rudolf/Floerecke, Peter (Hrsg.), Träger, Arbeitsfelder und Zielgruppen der Sozialen Arbeit, Stuttgart, S. 13–43.
  • Merchel, Joachim (2017): Trägerstrukturen und Organisationsformen in der Kinder- und Jugendhilfe, in: Böllert, Karin (Hrsg.), Kompendium der Kinder- und Jugendhilfe, Wiesbaden, S. 93–113.
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