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Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland

Aufgaben und Handlungsfelder > Auftrag und Anspruch

Aufgabenfelder der Kinder- und Jugendhilfe (§§ 11-60 SGB VIII)

Leistungen

Andere Aufgaben

             
  • Jugendarbeit
  • Jugendsozialarbeit
  • erzieherischer Kinder- und Jugendschutz

§§ 11–15 SGB VIII

  • Förderung der Erziehung in der Familie

§§ 16–21 SGB VIII

  • Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege

§§ 22–26 SGB VIII

  • Hilfen zur Erziehung
  • Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche
  • Hilfen für junge Volljährige

§§ 27–41 SGB VIII

  • Hoheitliche Aufgaben zum Schutz von Kindern und Jugendlichen

§§ 42–60 SGB VIII

z.B.

  • Internationale Jugendarbeit
  • Förderung der Jugendverbände
  • Hilfen zum Übergang Schule–Beruf

z. B.

  • Familienbildung
  • Familienberatung
  • Familienerholung
  • Trennungs- und Scheidungsberatung

z.B.

  • Krippe
  • Kindergarten
  • Horte

z.B.

  • Ambulante Erziehungshilfen
  • Pflegefamilie
  • Heimerziehung

z.B.

  • Inobhutnahme
  • Mitwirkung vor Familien- und Jugendgerichten
  • Amtsvormundschaften

Erläuterung

Im Sinne der Einheit der Jugendhilfe sind in Deutschland sehr unterschiedliche Aufgabenbereiche unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe zusammengefasst. Diese Aufgaben werden im § 2 SGB VIII zusammenfassend aufgeführt. Dort werden sie unterschieden in Leistungen und andere Aufgaben. Leistungen können von Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe erbracht werden, die anderen (hoheitlichen) Aufgaben obliegen im Prinzip dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe.

Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe

Die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe umfassen die Aufgabenfelder der Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit/Schulsozialarbeit, der Familienförderung, der Tageseinrichtungen und Kindertagespflege für Kinder sowie der Hilfen zur Erziehung, der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche und der Hilfen für junge Volljährige. Die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe sind durch zwei unterschiedliche Rechtsanspruchsqualitäten geprägt.

Zum einen normiert das SGB VIII individuelle Rechtsansprüche von Eltern und Kindern bzw. Jugendlichen, die sich auf spezifische Leistungen beziehen (z. B. Kindergartenplätze, Hilfen zur Erziehung). Zum anderen verpflichtet das Gesetz die Träger der öffentlichen Jugendhilfe zur Bereitstellung spezifischer Infrastrukturleistungen, die tendenziell allgemeine Fördermöglichkeiten für Eltern, Kinder und Jugendliche bereithalten (z. B. Familienbildung, Jugendarbeit). Diese sind nicht mit subjektiven Rechtsansprüchen verbunden. Während subjektive Rechtsansprüche individuell begründet werden müssen und im Streitfall von den Adressat*innen einklagbar sind, normieren objektive Rechtsverpflichtungen Anforderungen an den öffentlichen Träger, die nicht individuell einklagbar sind.

Andere Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe

Mit den „anderen Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe“ sind hoheitliche Aufgaben gemeint, die nicht unmittelbar mit Leistungen gegenüber Adressat*innen gekoppelt sind, sondern dem öffentlichen Träger spezifische Ordnungsbefugnisse einräumen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten (z. B. Inobhutnahme, Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren oder Jugendstrafverfahren). Diese Aufgaben ermöglichen es dem Jugendamt (und verpflichten es in bestimmten Situationen), auch ohne oder gegen den Willen der Betroffenen tätig zu werden.

Die Ausführung der anderen Aufgaben können von Trägern der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe unter bestimmten Bedingungen (§ 76 SGB VIII) auf anerkannte Träger der freien Jugendhilfe übertragen werden.

Literatur
  • Münder, Johannes/Meysen, Thomas/Trenczek, Thomas (Hrsg.) (2019): Frankfurter Kommentar SGB VIII Kinder und Jugendhilfe, 8. Aufl., Baden-Baden.
  • Wiesner, Reinhard (2021 i.E.): SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe, Kommentar, 6. Aufl., München.
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